30 | 04 | 2017

Progynon 100
iist seit Januar 2000 nicht mehr in der Produktion

Über einen Arzt erreichte uns folgender Brief der Firma Schering vom 20.03.2000

SCHERING

Schering Deutschland GmbH

Herrn
Dr. med. ...
50xxx Köln


Progynon-Depot-100 / Alternativen

Sehr geehrter Herr Dr. ...,

eine Ihrer Patientinnen hat uns darum gebeten, Ihnen Literatur über Behandlungsmöglichkeiten von Transsexuellen zur Verfügung zu stellen.

Das Präparat Progynon-Depot-100, das, für die Behandlung des inoperablen Prostatakarzinoms zugelassen war, ist nicht mehr im Handel. In dieser Indikation sind Östrogene nicht mehr Mittel der Wahl.

Zur Ausbildung oder Akzentuierung weiblicher Körperformen werden seit langem Östrogene angewendet. Aus der klinischen Anwendung relativ hoher Ostrogendosen über lange Zeiträume bei Männern mit Prostatakarzinom ist der feminisierende Einfluss einschließlich der in diesen Fällen unerwünschten Gynäkomastie bekannt. Libido? und Potenzverlust gehören ebenfalls zu den in dieser Indikation unerwünschten Wirkungen. Bei Transsexuellen kann das in gewissen Behandlungsweisen günstig sein. Individuelle Reaktionsunterschiede, besonders im Hinblick auf die Libido, sind recht groß. Aus den Erfahrungen beim Prostatakarzinom sind auch die kardiovaskulären Risiken einer langdauernden hochdosierten Östrogenbehandlung bekannt.

Eine feminisierende Wirkung kann bei Transsexuellen auch erzielt werden durch die Kombination von Östrogenen mit dem antiandrogen wirksamen Cyproteronracetat.

In der Literatur finden sich unterschiedliche Dosierungsangaben. In einer Arbeit von Jequier und Mitarbeitern werden gute Erfahrungen beschrieben mit der kombinierten Anwendung von Cyproteronacetat 'und Ethinylestradiol. Hierbei behandelt diese Arbeitsgruppe mit täglich 2 x 50 mg Cyproteronacetat in Kombination mit täglich 50 bis 100 Ng Ethinylestradiol. Diese Therapie wird präoperativ verabreicht. Nach König und Mitarbeitern ist die bislang nötige Therapie für Männer 3 x täglich 0,05 mg Ethinylestradiol (Progynon C: 0,02 mg pro Tablette) kombiniert mit 2 x 50 mg Cyproteronacetat.

Einige Autoren vertreten den Standpunkt, dass bei besonders stark behaarten, biologisch männlichen Patienten ausnahmsweise eine Behandlung mit 25 mg Cyproteronacetat täglich (1/2 Tablette) erwogen werden kann. Die Hormone können oral, intramuskulär oder transdermal verabreicht werden, z. B. mit Estradiolvalerat 10 mg als Depot zweiwöchentlich zwei Ampullen, 8 mg Estradiol oral oder Estraderm 100 zweimal wöchentlich. Wie aus der Publikation von Eicher (1995) hervorgeht, ist auch die subkutane Implantation von Estradiol möglich.

Die präoperativ begonnene Behandlung wird nach der Geschlechtsumwandlung lebenslang fortgesetzt, die Dosis kann, sofern sie sehr hoch gewählt wurde, im Laufe der Zeit reduziert werden:

Wir möchten abschließend darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Hormonpräparate bei der obigen Indikation nicht klinisch geprüft haben und daher in unseren Druckschriften keine Dosierungsempfehlung angegeben ist. Transsexualismus ist keine vom BfArM zugelassene Indikation.

Mit freundlichen Grüßen

Schering Deutschland GmbH
i.V. Dr. R. Turck - - - i.A. H.Petschick, Ärztin
Anlagen (Beipackzettel der angesprochenen Präparate)

Zusätzliche persönliche Anmerkung von Helma Katrin Alter:

Ein hier nicht angesprochene Behandlungsalternative besteht in der Verwendung von Estradurin 80 mg, alle drei Wochen als Depot (ist sehr teuer, wird aber von KK bezahlt). Ich habe dazu jedoch bisher keine fachlich fundierten Rückmeldungen.

gez. Helma Katrin Alter